Zukunft für Tastschreiben an der Mittelschule?

von Bernhard Seibert (Kommentare: 0)

Aus fachlicher Sicht sind für das erfolgreiche Erlernen von Tastschreiben folgende Rahmenbedingungen notwendig:

  • Über 2 Schuljahre hinweg mindestens eine Wochenstunde Tastschreiben. Der Lehrplan ist inhaltlich mit ca. 80 % auf das Erlernen des Griffwegs ausgelegt.
  • Da Tastschreiben eine sehr hohe Selbstdisziplin von den Schülern verlangt, ist eine Notengebung erforderlich.
  • Der Unterricht muss von Fachkräften unterrichtet werden, die darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler das Tastschreiben von Beginn an richtig anwenden.

Ist Tastschreiben an der Mittelschule für alle Schüler noch zeitgemäß?

Was spricht dagegen? Im privaten Rahmen haben die Familien aktuell nicht einmal mehr Computer und Notebooks zur Verfügung. Sie begnügen sich tlw. mit Smartphones und Tablets. Neben dem Tippen mit einem Finger auf Touchoberflächen zum Schreiben wird auch das Versenden von Sprachnachrichten und Spracherkennung in moderner Kommunikation genutzt. Was spricht dafür? Im beruflichen Alltag haben Menschen mit Tastschreibfertigkeiten einen Vorteil – sie arbeiten effektiver. Für die Mittelschule kann Tastschreiben auch ein profilbildendes Fach sein. Wie kann die Antwort auf die Titelfrage lauten? Ich persönlich beantworte die Frage mit Ja.

Wenn die Politik diese Frage allerdings mit Nein beantworten sollte, dann sollten nicht mehr alle Mittelschüler durch einen Tastschreiblehrgang gezwungen werden, dem die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Vermittlung fehlen.

Welche Rahmenbedingungen hat Tastschreiben aktuell?

Tastschreiben ist an der Mittelschule nicht fest in der Stundentafel verankert. Die Schulen organisieren selbst Tastschreiblehrgänge auf unterschiedlichste Weise durch unterschiedlichstes Personal in den Jahrgangsstufen 5 bis 7. Tastschreiben wird nicht benotet. Tastschreiben wird im zukünftigen Fach Informatik mit einem Anteil von einem Drittel und im Fach Wirtschaft und Kommunikation mit ca. 10 Prozent ein viel zu kleiner Zeitanteil bei den Inhalten zur Verfügung gestellt um sinnvoll vermittelt zu werden. Die Situation ist nicht zufriedenstellend, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende des Tastschreiblehrgangs oft nicht tastschreiben können.

Wie könnte Tastschreiben vermittelt werden?

Ich schlage vor, Tastschreiben aus Informatik 5 vollständig herauszunehmen. Ein Lehrplanelement von Informatik 6 wird nach Informatik 5 verschoben. Somit sind zwei Drittel des Informatik 6 Lehrplans frei für Tastschreiben. Dies wird im Lehrplan verankert und benotet. Im Fach Wirtschaft und Kommunikation 7 wird der Lehrplan angepasst: Inhalte die in Zukunft in Informatik unterrichtet werden entfallen. Alle weiteren Inhalte werden reduziert, damit Tastschreiben wieder zwei Drittel des Faches ausfüllen kann.

 

Informatik 6

2/3 des Lehrplans Tastschreiben, benotet

Wirtschaft und Kommunikation 7

2/3 des Lehrplans Tastschreiben, benotet

 

Dies wären bessere Rahmenbedingungen als bisher. Optimal wäre ein eigenes einstündiges Fach Tastschreiben über zwei Jahre.

 

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